Die Geschichte des Engadins am Beispiel von Pontresina

Fundstücke deuten darauf hin, dass die Gegend um Pontresina schon zur Bronzezeit besiedelt war. Erwähnt wird das Dorf aber erstmals 1139. Der Berninapass als wichtige Verbindung in den Süden war bereits im Mittelalter von grosser Bedeutung für die hiesigen Bauern: Die Portenrechte waren ein willkommener Nebenverdienst. Ab 1850 entwickelte sich Pontresina zum Ferien- und OBruno024Kurort - dank der guten Erreichbarkeit, dem aussergewöhnlich gesunden Reizklima und der Bedeutung des Alpinismus. Denn der sonnige, windgeschützte Ort liegt am Fusse der höchsten Gipfeln der Ostalpen und ist umgeben von imposanten Gletschern. Der spannende Mix aus alten Engadinerhäusern, stilvollen Hotelbauten aus der Belle Epoque und malerischen Gässchen macht den besonderen Charme von Pontresina aus, das auch auf seinen Speisekarten einige Überraschungen bereithält. Und sich vom Loipennetz über das Erlebnisbad bis zu den Curlingfeldern gern genussvoll sportlich gibt.

 Das Engadin ist eine Landschaft «on the rocks»: 173 Gletscher bedecken hier eine Fläche von 40 km2 (sechs Prozent des Oberengadins) und mäandern rund um die höchsten Gipfel der Ostalpen wie die Eiswürfel um den Zitronenschnitz im Martini. Die unbestrittene Nummer eins ist der Morteratschgletscher, mit rund sieben Kilometern der längste Gletscher im Engadin. Ein ebenso eindrückliches Naturschauspiel bieten auch weitere Gletscher der Region mit klingenden Namen wie Roseg-, Tschierva-, Sella und Persgletscher.

Unter der winterlichen Schneedecke sind die gewaltigen weissen Riesen allerdings kaum zu erkennen. Dann zeichnen sich höchstens vereinzelt Gletscherspalten ab, die einen eindrücklichen Blick ins Blaue des ewigen Eises eröffnen. Ebenso faszinierende Einsichten gewähren die Eishöhlen, die entstehen, wenn sich das relativ warme Schmelzwasser im Sommer seinen Weg nach draussen bahnt. Auf eigene Faust ins ewige Eis einzutauchen, ist allerdings höchst gefährlich. Wer das totale Gletschererlebnis sucht, nimmt sich einen erfahrenen Führer.

Ob ein Gletscher wächst oder schrumpft, hängt damit zusammen, wie viel Gletschereis im so genannten Nährgebiet oberhalb der Schneegrenze nachwächst. Dieses Eis entsteht übrigens nicht aus gefrorenem Wasser, sondern aus jenem Schnee, der im Sommer nicht wegschmilzt. Damit ein Gletscher im Gleichgewicht ist, muss das Nährgebiet doppelt so gross sein wie das «Zehrgebiet» unterhalb der Schneegrenze, wo das Eis schmilzt.

Wer im Spätsommer als Hobby-Glaziologe durch die archaische Gebirgslandschaft des Engadins wandert, kommt diesem Phänomen schnell auf die Spur: Wo noch Schnee auf dem Gletscher liegt, befindet sich das Nährgebiet. Bei der Station Morteratsch der Rhätischen Bahn führt ein Lehrpfad durch das Vorfeld des Morteratschgletschers und endet direkt vor der Gletscherzunge. Wer mehr erfahren will, als auf den Infotafeln steht, bucht eine Tour ins Innere dieser Ewigkeit. Etwa bei der Bergsteigerschule Pontresina