Auf dem Römerweg über den Col du Mont Cenis

 

König Heinrich IV. 1076 Investiturstreit und Bann
Die Auseinandersetzung zwischen Papst Gregor VII. und Heinrich IV. geht um die Frage, wer wen einsetzt: der König den Papst oder der Papst den König/Kaiser (Investiturstreit). Ausgelöst wird dies durch die Praxis, daß weltliche Herrscher Bischöfen größere Gebiete leihweise überlassen (zu Lehen), sie dort im Amt einsetzen, ihnen als Zeichen der geistlichen Macht Bischofsring und Krummstab überreichen und ihnen ihre Klöster zuweisen, in denen wiederum die Bischöfe relativ autark sind. Als 1071 Papst Gregor VII. im Falle des Erzbischofs von Mailand einen Gegenbischof einsetzt, kommt es zur Auseinandersetzung zwischen Papst und König und als der Kandidat 1075 ermordet wird, setzt der König weitere Erzbischöfe ein, um sich nicht das Heft aus der Hand nehmen zu lassen. Der Papst bannt darauf die königlichen Ratgeber und die Situation spitzt sich zu, denn Heinrich fordert nun als Reaktion den Papst zur Abdankung auf, weil sich dieser in königliche Belange eingemischt hat. Gregor exkommuniziert König Heinrich darauf und nimmt ihm damit die Grundlage der gottgegebenen Herrschaft, hat damit den König entscheidend geschwächt und nun muß dieser, wenn ihn die Fürsten nicht abwählen sollen, das geistlichen Oberhaupt wiederum um Verzeihung bitten - eigentlich eine absurde Sitauation, weil geistliche und weltliche Macht sich bisher ergänzten und nun miteinander konkurrieren. Jedenfalls zwingen die Fürsten Heinrich im Oktober, eine Aussöhnung mit dem Papst herbeizuführen - wie, ist ihnen egal.

Canossa 
Nur deshalb kommt es im Januar 1077 zum berühmten Gang nach Canossa, wo der Papst bei Mathilde von Tuszien, Heinrichs Gegenspielerin, Unterkunft gefunden hat, damit er, wenn der hohe Schnee geschmolzen ist, nach Deutschland kann, um dort Heinrich kirchenrechtlich abzuurteilen. Es ist ein ausgesprochen harter Winter, als Büßer hat man bestimmte kirchliche Regeln zu beachten, wie Kutte, Barfüßigkeit und Strick um die Hüften, und auch, wenn Heinrich sicher nicht immer barfuß durch den Schnee gelaufen ist, kann der Papst die Vergebung nicht verweigern. Um sich nicht für immer unglaubwürdig zu machen, löst er ihn also am 28. Januar zähneknirschend vom Kirchenbann, setzt ihn aber nicht mehr als König ein - was er als Papst eigentlich auch gar nicht kann, denn das ist wiederum Sache der Fürsten, die ihrerseits auf ein gottgefällig Werk achten müssen - politisch ist die Situation ziemlich verworren.
Nach der päpstlichen Entscheidung ist Heinrich formell nicht mehr König von Gottes Gnaden . Sein Seelenheil interessiert die Fürsten nicht so sehr wie sein Machtverlust und so wählen sie im März Rudolf von Rheinfelden als Gegenkönig, allerdings unter der - vom Papst diktierten - Bedingung, keine Bischöfe mehr einzusetzen. Hier findet die allgemeine Trennung von Staat und Kirche statt, ein ganz neuer Vorgang, der bis heute Auswirkungen auf staatliche Politik hat - auch wenn dies den Kontrahenten zu diesem Zeitpunkt vielleicht nicht so gegenwärtig ist. Heinrich spricht daraufhin über seinen Kontrahenten die Reichsacht aus und erklärt ihm den Krieg, denn natürlich fühlt er sich immer noch als König.

  


 

Der alte Römerweg -  Foto Homer Juli 2016